Kapil Gupta, CEO und Gründer von Zirkel Technologies, stammt aus einer Familie, die seit über 40 Jahren im Stahlhandel in Indien aktiv ist und später in die Bereiche Stahl- und Leitungsbau expandierte: „Ich verstehe die Komplexität des Stahlgeschäfts - und der Edelstahl-Handel bringt diese Komplexität auf ein noch höheres Niveau; volatile Legierungszuschläge, anspruchsvolle Werkstoffgüten, regulierte Endkundenindustrien. Genau das reizt uns, weil hier Standard-IT-Lösungen am schnellsten an ihre Grenzen stoßen.
Die Grundmechanik des Stahlhandels kennt Gupta aus dem Familiengeschäft. Der Edelstahl-Bereich addiert spezifische Schichten: Die Preisbildung sei dynamischer, erklärt er, weil Legierungszuschläge an Nickel-, Chromund Molybdännotierungen gekoppelt sind und sich monatlich ändern. Die Materialvielfalt ist größer - austenitische, ferritische, martensitische und Duplex-Güten mit unterschiedlichen Oberflächen und Normen. „Und Endkunden in Pharma, Food und Chemie stellen Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung, die weit über das hinausgehen, was im Kohlenstoffstahlhandel üblich ist“, weiß der CEO, „dieses Verständnis fließt direkt in die Systemkonfiguration ein.
Wir sprechen mit Edelstahl-Händlern nicht erst über Grundlagen, sondern über die konkreten Anforderungen: Wie bildet das ERP Legierungszuschläge tagesaktuell ab? Wie werden ASTM- und EN-Normen parallel geführt? Wie läuft die Chargenverfolgung für eine FDA-konforme Lieferkette?“
ERP-Anforderungen im Edelstahl-Handel
Legierungszuschläge, Werkstoffnormen (EN, ASTM, JIS), Oberflächenspezifikationen, kundenspezifische Zuschnitte - gefragt danach, welche Anforderungen ein ERP-System im Edelstahl-Handel zwingend erfüllen muss, antwortet Gupta: Sechs Bereiche sind entscheidend: Erstens eine dynamische Legierungszuschlagsberechnung, die an Marktnotierungen gekoppelt ist und zwischen Bestellzeitpunkt und Lieferzeitpunkt differenzieren kann. Zweitens Multi-NormFähigkeit - ein Material kann gleichzeitig als 1.4301, 304 (ASTM) und SUS 304 (JIS) geführt werden müssen, mit Querverweis im Materialstamm. Drittens Oberflächen- und Formatverwaltung - 2B, BA, geschliffen, poliert, jeweils mit eigenen Preisaufschlägen. Viertens durchgängige Chargenverfolgung mit Werkszeugnissen nach EN 10204 3.1/3.2 und gegebenenfalls NACE-, PED- oder FDA-konformer Dokumentation. Fünftens integrierte Anarbeitungssteuerung für Zuschnitt, Kantenbearbeitung und Längsschnitt mit Materialverlust- und Reststückverwaltung. Sechstens Multi-Währungs- und Multi-Standort-Fähigkeit, da Edelstahl international beschafft wird.“
Rückverfolgbarkeit und Compliance
Edelstahl landet in hochregulierten Anwendungen, etwa in Lebensmittelindustrie, Pharma, Medizintechnik, Offshore. Lösungen von Zirkel Technologies unterstützen die lückenlose Dokumentation entlang der Lieferkette. „Rückverfolgbarkeit ist im Edelstahl-Handel kein nettes Zusatzfeature, sondern Geschäftsvoraussetzung“, so Gupta, „wenn ein Pharma-Kunde einsen können, aus welcher Schmelze es stammt, welche Prüfungen durchlaufen wurden und wer es wann bearbeitet hat. Wir konfigurieren ERP-Systeme so, dass die Chargennummer vom Wareneingang über jede Anarbeitungsstufe bis zur Auslieferung mitgeführt wird, und zwar inklusive automatischer Zuordnung von Werkszeugnissen nach EN 10204, Dokumentation von Prüfungen und Freigaben, und digitalem Zeugnisversand an den Kunden. Bei Splitting-Vorgängen, wenn ein Coil in Bleche oder ein Stab in Zuschnitte geteilt wird, bleibt die Rückverfolgbarkeit über Chargen-Vererbung durchgängig erhalten. Für branchenspezifische Anforderungen wie NACE MR0175, PED 2014/68/EU oder FDA-Konformität passen wir die Dokumentationslogik gezielt an.“

Systemlandschaft und Integration
Viele Edelstahl-Händler betreiben parallel ERP, Lagerverwaltung, Excel-basierte LZ-Kalkulationen und ein separates CRM. „Das ist die Realität bei vielen Edelstahl-Händlern“, weiß Gupta, „und sie ist kostspielig. Wenn der Legierungszuschlag in einer ExcelTabelle gepflegt wird, die Verfügbarkeit im Lagersystem steckt und der Vertrieb im CRM arbeitet, dann entstehen Medien- und Zeitbrüche, die direkt auf Angebotsgeschwindigkeit und Fehlerquote durchschlagen. Ein Kunde fragt nach 50 t 1.4571 Blech in 6 mm - und der Vertrieb muss drei Systeme konsultieren, bevor er antworten kann. Unser Ansatz: Integration auf einer Plattform, wo möglich. Wo ein Komplettersatz nicht realistisch ist, verbinden wir bestehende Systeme über Integrationsschichten wie MuleSoft, so dass Preis-, Bestands- und Kundendaten in Echtzeit durchgängig verfügbar sind. Ziel ist immer eine einzige Wahrheit für Material, Preis und Verfügbarkeit, egal wie viele Systeme im Hintergrund laufen.“
Passende ERP-Lösung nach Unternehmensgröße
SAP S/4HANA, SAP Business One Production, Microsoft Dynamics 365 - Zirkel Technologoes berät auch und vor allem mit Blick auf die Unternehmensgröße:
- SAP S/4HANA für international aufgestellte Edelstahl-Gruppen mit Multi-Mandanten-Strukturen, komplexen Intercompany-Flüssen und hohem Integrationstiefgang, typischerweise ab 500 Mio Euro Umsatz.
- SAP Business One Production ist der Sweet Spot für mittelgroße Edelstahl-Händler und Service Center im Bereich 50 bis 500 Mio Euro Umsatz, volle Fertigungs- und Anarbeitungssteuerung auf dem SAP-Stack, implementierbar in vier bis sechs Monaten, zu einem Bruchteil der S/4HANA-Kosten.
- Microsoft Dynamics 365 passt zu spezialisierten Nischenanbietern ohne schwere Anarbeitung, die im Microsoft-Ökosystem zu Hause sind und Wert auf intuitive Bedienbarkeit und starke CRM-Integration legen.

Entscheidend für den Edelstahl-Handel: Jedes dieser Systeme muss für Legierungszuschlagslogik und Multi-Norm-Materialstamm konfiguriert werden. Das ist kein Standard-Setup - hier braucht es Branchenverständnis im Implementierungsteam.
Digitalisierung der Kundenbeziehung
Einkäufer erwarten zunehmend digitale Kanäle, das heißt: Echtzeit-Verfügbarkeit, Online-Angebotskonfiguration mit aktuellen LZ und digitaler Zeugnisdownload. Zirkel Technologies baut Kundenportale typischerweise auf Salesforce Experience Cloud auf, integriert mit dem ERP über MuleSoft. Das ermöglicht Echtzeit-Bestandsabfrage mit Güte, Abmessung und Oberfläche, automatische Angebotskonfiguration, die den tagesaktuellen Legierungszuschlag einrechnet, Auftrags- und Lieferverfolgung sowie eine digitale Zeugnisbibliothek, aus der Kunden Werkszeugnisse pro Charge selbst herunterladen können.
Für Edelstahl-Händler ist der Legierungszuschlag im Angebotstool besonders relevant. Kunden sehen sofort den aktuellen Preis inklusive LZ, können verschiedene Güten und Abmessungen konfigurieren und bekommen ein verbindliches Angebot, und das ohne Rückruf und ohne Wartezeit. „Das ist“, so Gupta, „ein echter Wettbewerbsvorteil in einem Markt, in dem Geschwindigkeit Aufträge entscheidet.“
Edelstahl wird international beschafft. Zirkel hat über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Europa und Indien. Hier gilt es, Datenschutz und DSGVO-Konformität zu sichern. Der CEO beschreibt das so: „Datenschutz ist für uns nicht verhandelbar. Wir sind vollständig DSGVO-konform. Kundendaten werden nicht außerhalb der EU gespeichert. Unsere Teams in Indien haben keinen Zugang zu Produktivsystemen - der Zugriff auf Entwicklungs- und Testumgebungen erfolgt ausschließlich über gesicherte VPN-Verbindungen oder Cloud-basierte Arbeitsumgebungen. Es gibt keine lokale Datenhaltung außerhalb der vereinbarten Infrastruktur.“
Zur Sprache: Die gesamte Projektarbeit erfolgt bei Zirkel Technologies auf Deutsch - Dokumentation, Spezifikationen, Systemkonfiguration. Der Programmcode ist ohnehin sprachneutral. „Ein Großteil unserer Kollegen und Kolleginnen in Indien lernt aktiv Deutsch“, berichtet Gupta, „wir haben hausinterne Deutschlehrer und Übersetzer für Meetings. Der Kunde erlebt keinen Sprachbruch.“
Zukunftstechnologien für den Edelstahl-Handel
Drei Technologien bringen dem Edelstahl-Handel den schnellsten Mehrwert: Erstens KI-basierte Dokumentenverarbeitung - Werkszeugnisse automatisch einlesen, klassifizieren und der richtigen Charge zuordnen. Bei dem Dokumentenvolumen, das Edelstahl-Händler täglich verarbeiten, spart das sofort messbare Stunden manueller Arbeit. Zweitens Predictive Analytics für Bestandsoptimierung - gerade im Edelstahl-Bereich, wo das gebundene Kapital pro Tonne deutlich höher liegt als bei Kohlenstoffstahl, hat jede Verbesserung der Bedarfsprognose einen direkten Working-Capital-Effekt. Drittens IoT-Anbindung von Bearbeitungsmaschinen - EchtzeitTransparenz über Maschinenauslastung, Wartungsbedarf und Auftragsfortschritt. Das ermöglicht präzisere Lieferversprechen und reduziert ungeplante Stillstände. Langfristig wird auch die automatisierte Legierungszuschlagsoptimierung relevant, etwa KI-Modelle, die auf Basis von Marktdaten und Bestellhistorien den optimalen Bestellzeitpunkt für bestimmte Güten prognostizieren.
Differenzierung und konkreter Kundennutzen
Nach Ansicht Guptas hebt sich Zirkel Technologies mit vier Punkten von anderen IT-Dienstleistern ab: „Branchenwissen aus 40 Jahren Familien-Stahlhandel. Wir verstehen die kommerzielle Logik hinter den IT-Anforderungen, einschließlich der Edelstahl spezifischen Komplexitäten wie LZ-Dynamik und MultiNorm-Führung. Ergebnisverantwortung statt Stundenabrechnung. Wir liefern Lösungen, nicht Berater. Herstellerunabhängige Technologiebreite über SAP, Salesforce, Dynamics und MuleSoft. Und eine 400-köpfige Delivery-Organisation, die Mittelstandskunden Enterprise-Kapazität mit kurzen Wegen bietet.“ Und das kann der Edelstahl-Handel konkret erwarten, schließt Gupta ab: „30 bis 40 % schnellere Implementierung durch unser DACH-Indien-Modell, niedrigere Gesamtkosten ohne Qualitätseinbußen bei Lösungsdesign und Kundenkommunikation, durchgängige Integrationsfähigkeit vom ERP über das Kundenportal bis zur Zeugnisdatenbank. Und einen Partner, dem man den Unterschied zwischen 1.4301 und 1.4404 nicht erst erklären muss.
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