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Fallstudie

LikeIT: Mobile Payment für die Smart Family

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LikeIT: Mobile Payment für die Smart Family

Jede Familie kennt die Pattsituation: Jugendliche wollen selbstbestimmt einkaufen - und Eltern wollen wissen, was mit ihrem Geld geschieht. LikeIT, ein Venture der Chequered Flag Technologies AG, wollte genau dieses Spannungsfeld auflösen: mit einer mobilen Plattform, über die Teenager eigenständig shoppen, während die Eltern jeden Kauf in Echtzeit freigeben und bezahlen - von dort, wo sie gerade sind.

Zirkel Technologies wurde als End-to-End-Produktpartner mandatiert. Über rund zwanzig Monate führten interdisziplinäre ZirkelTech-Teams in Frankfurt und Delhi LikeIT vom Whiteboard bis zum Marktstart: Markt- und Nutzerresearch, Produktstrategie, eine Consumer-Marke und User Experience für die Generation Z, native Mobile Apps, eine Cloud-Plattform, ein Integrationskonzept für den Handel sowie die kommerziellen und Investorenunterlagen, die das Venture an den Markt trugen.

Die prägende Engineering-Entscheidung war architektonisch: LikeIT berührt das Geld nicht. Die Plattform bündelt etablierte Bezahlverfahren und transportiert Freigaben und Quittungen - an der Kasse tritt ein QR-Code an die Stelle des Bargelds. Diese Entscheidung hielt das Venture außerhalb lizenzpflichtiger Zahlungsströme, reduzierte den Integrationsaufwand im Handel drastisch und wurde zum zentralen Differenzierungsmerkmal des Produkts.

LikeIT ging in Deutschland an den Start. Kurz darauf legte die COVID-19-Pandemie den stationären Handel - das Herzstück des LikeIT-Erlebnisses - über Monate still, und die Gesellschafter entschieden, das Venture einzustellen. Wir erzählen die Geschichte trotzdem: weil Delivery-Modell, Architektur und Lehren das Produkt überdauert haben - und weil ehrliche Fallstudien mehr wert sind als geschönte.

Der Kunde und die Idee

Die Chequered Flag Technologies AG (CFT) mit Sitz in Schaan, Liechtenstein, entwickelt digitale Produkte und betreibt sie als Software-as-a-Service. Für das LikeIT-Venture hielt die CFT die Technologie und bereitete den Markteintritt vor; die im Sommer 2018 gegründete LikeIT AG, Deutschland, übernahm Marktbearbeitung, Markenaufbau und Partnerschaften - zunächst in Deutschland, anschließend in der EU-27.

Die Ambition war explizit formuliert: die führende Plattform für mobiles Bezahlen zu etablieren, die beide Seiten der Ladentheke bedient - Nutzer und Handel - und mobiles Bezahlen zum Lifestyle der „Smart Family“ zu machen. ZirkelTech kam in der Ideationsphase an Bord und blieb bis zum Launch.

Das Problem: Freiheit trifft Fürsorge

Erwachsenwerden ist eine Verhandlung. Jugendliche fordern Eigenständigkeit: mit Freunden einkaufen statt mit den Eltern, eigene Entscheidungen treffen, Vertrauen erhalten, den Tag im eigenen Rhythmus gestalten. Eltern tragen die Fürsorgepflicht - und das Konto. Sie wollen, dass Budgets eingehalten und Rabatte tatsächlich genutzt werden, und dass kein Kind mit einem Bündel Bargeld durch die Stadt läuft.

Das Ergebnis ist ein struktureller Konflikt. Mit fünfzehn ist Shopping mit den Eltern nicht cool - das Geld kommt aber trotzdem von ihnen. Muss ein Elternteil also bei jedem Kauf physisch dabei sein? So banal die Frage klingt: Sie erzeugt reale Reibung - Unzufriedenheit, Streit und ein dauerhaftes Vertrauensdefizit auf beiden Seiten.

Zugleich ist es ein erheblicher Markt. Die 14- bis 24-Jährigen in Deutschland geben jährlich Milliarden aus - allein über vier Milliarden Euro für Bekleidung, Mode und Schmuck, gefolgt von Ausgehen, Mobilfunk, Mobilität und Entertainment. Diese Ausgaben werden überwiegend von den Eltern finanziert und noch immer größtenteils bar beglichen: unsichtbar für den Handel, schwer steuerbar für die Familien.

Die Lösung: Quittungen statt Geld

Die Antwort von LikeIT ist eine Kaufstrecke, die Anwesenheit von Kontrolle entkoppelt. Ein Teenager fotografiert beim Shoppen mit Freunden das Wunschteil - die App ergänzt den Preis - und schickt die Anfrage an die Eltern. Diese sehen genau, was wo und für wie viel gekauft werden soll, und geben mit einem Fingertipp frei oder lehnen ab - als stünden sie mit im Laden. Bei Freigabe zahlen sie über ihr bevorzugtes Bezahlverfahren direkt an den Händler. LikeIT stellt anschließend eine QR-codierte Quittung an den Teenager und die Händlerkasse zu; ein Scan übergibt die Ware.

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Abbildung 1 : Die LikeIT-Kaufstrecke: im Laden fotografieren, aus der Ferne freigeben, direkt an den Händler zahlen, QR-Quittung an der Kasse einlösen.

Drei Prinzipien prägten die Plattform. Erstens standardisierte Prozesse: Statt ein weiteres Bezahlverfahren zu etablieren, bündelt LikeIT die etablierten - Karten, PayPal, Sofortüberweisungs- und Wallet-Verfahren -, sodass Familien so bezahlen, wie sie ohnehin bezahlen. Zweitens Quittungen statt Geld: LikeIT hält und transferiert keine Gelder, sondern transportiert Freigaben und Zahlungsnachweise. Drittens radikale Einfachheit am Point of Sale: Ein Händler braucht für LikeIT nichts weiter als die Fähigkeit, einen QR-Code zu scannen.

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Abbildung 2 : Eine Plattform zwischen Bezahlverfahren und Handel: LikeIT bündelt etablierte Zahlungsarten und transportiert Quittungen - kein Geld.

Das zweite Prinzip war die folgenreichste Engineering-Entscheidung des Engagements. Weil die Plattform außerhalb des Geldflusses bleibt, vermied das Produkt die Lizenzlast eines E-Geld- oder Zahlungsinstituts, reduzierte Compliance-Risiken eines teilweise an Minderjährige gerichteten Angebots und ließ den Integrationsaufwand im Handel gegen null gehen. Was wie ein technisches Detail aussah, war in Wahrheit der Schutzgraben des Geschäftsmodells - in der Discovery-Phase von ZirkelTech identifiziert und belastbar geprüft, anschließend in jede weitere Designentscheidung eingearbeitet.

LikeIT bewegt kein Geld, sondern Freigaben und Quittungen - diese Architekturentscheidung war der Schutzgraben des Geschäftsmodells.

Der Handel bildete die zweite Seite des zweiseitigen Designs. Jede LikeIT-Transaktion macht aus einem anonymen, bar zahlenden Teenager einen identifizierten Kunden mit Kaufhistorie. Auf dieser Basis kann der Handel personalisierte Kampagnen und Kaufanreize fahren, die digital sozialisierte Kunden zurück in die eigenen Läden holen - das Playbook des Online-Handels, zurückgeholt in die Innenstadt.

Design: Eine Marke, die Jugendliche wirklich wollen

LikeIT brauchte zwei Gesichter. Gegenüber Investoren, Handelspartnern und der Payment-Branche trat das Venture mit der klaren, souveränen Identität likeIT° auf. Gegenüber den Nutzern brauchte es etwas völlig anderes: eine Marke, die Jugendliche freiwillig auf ihren Homescreen legen.

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Abbildung 3 : Aufbau der Consumer-Marke: eine Bildwelt aus der Jugendkultur - nicht aus dem Banking.

Das Experience-Design-Team von ZirkelTech baute diese Consumer-Identität von Grund auf: eine handschriftliche „like it.“-Wortmarke, eine satte Gelb-Violett-Palette und eine Bildwelt aus der Jugendkultur statt aus der Finanzwelt. Das Interface folgte derselben Logik. Statt eine Banking-App zu imitieren, verhält sich LikeIT wie eine soziale App: ein Camera-first-Flow, in dem Teens Umkleidekabinen-Momente festhalten, Artikel mit Preis-Tags versehen und teilen - nur dass der Empfänger die Familie ist und am Ende ein Kauf steht. Die Wallet-Ansicht zeigt Guthaben und elterliche Aufladungen auf einen Blick; der Freigabe-Flow reduziert die Rolle der Eltern auf ein einziges, gut informiertes Ja oder Nein.

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Abbildung 4 : Das App-Erlebnis: Social-Camera mit Preis-Tags und ein Family Wallet mit Guthaben und elterlichen Aufladungen.

Validiert wurde das Designsystem in iterativen Runden mit beiden Zielgruppen - Jugendlichen, die beurteilten, ob die App cool genug ist, um sie vor Freunden zu benutzen, und Eltern, die beurteilten, ob sie seriös genug ist, um ihr Geld anzuvertrauen. Beide Tests gleichzeitig zu bestehen, war der Auftrag.

Engineering und Delivery im großen Maßstab

Ein zahlungsnahes Consumer-Produkt in unter zwei Jahren von null bis zum Launch zu bringen, verlangte Breite ebenso wie Tiefe. In der Spitze stellte ZirkelTech eine interdisziplinäre Organisation von rund 35 Spezialistinnen und Spezialisten in sieben koordinierten Workstreams: Produktstrategie und Venture Design; Experience- und Brand-Design; iOS-Engineering; Android-Engineering; Plattform- und API-Engineering; Qualitätssicherung und Testautomatisierung; DevOps, Security und Compliance - flankiert von Data & Analytics für die handelsseitigen Insight-Produkte.

Das Engagement lief im Dual-Shore-Modell von ZirkelTech: Produktsteuerung, Design und kundennahe Workstreams verankert in Frankfurt, Engineering skaliert aus dem Delivery Center Delhi NCR - als ein Team auf einem gemeinsamen Backlog. Die Umsetzung folgte einem zweiwöchigen Sprint-Rhythmus mit standortübergreifenden Planungsinkrementen; mehr als vierzig Sprints lagen zwischen dem ersten Konzept und dem Launch-Kandidaten.

Die nicht-funktionale Agenda war so anspruchsvoll wie der Funktionsumfang. Ein zahlungsnahes Produkt für Familien muss beim Datenschutz vorbildlich sein: Die Plattform wurde vom ersten Sprint an entlang der DSGVO entworfen - einschließlich der Einwilligungsmechanik nach Art. 8 DSGVO für Nutzer unterhalb der digitalen Einwilligungsgrenze, verankert im Onboarding statt nachgelagert ergänzt. Die Verfügbarkeit am Point of Sale - eine QR-Quittung, die an einer vollen Kasse zuverlässig scannen muss - trieb die Resilienz- und Offline-Anforderungen an Apps und Plattform.

Go-to-Market und Geschäftsmodell

Der Auftrag von ZirkelTech reichte über das Produkt hinaus in den kommerziellen Maschinenraum. Der adressierbare Markt wurde auf rund 24,5 Millionen Menschen allein in Deutschland beziffert - 9,5 Millionen junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren plus etwa 15 Millionen dazugehörige Eltern - und auf rund 173 Millionen in der EU-27; über 92 Prozent der Jugendlichen ab 14 nutzen bereits ein Smartphone. Die Kanalstrategie kombinierte Social Media als primären Wachstumsmotor mit klassischer Werbung, Events und redaktioneller Präsenz für die Elterngeneration.

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Abbildung 5 : Der adressierbare Markt: 24,5 Millionen potenzielle Nutzer in Deutschland, rund 173 Millionen in der EU-27.

Das Geschäftsmodell ruhte auf drei Erlösschichten: einem kostenlosen Nutzer-Tarif, finanziert über Werbung und Datenservices für Handelspartner; Premium- und VIP-Abonnements zu zwei bis vier Euro pro Monat als zentralem Skalierungshebel; darüber Werbung, Sponsoring, eigene Events und Vermittlungsprovisionen. Die Zweijahres-Szenarien reichten von 100.000 Abonnements (4,8 Millionen Euro Jahresumsatz) über 500.000 (24 Millionen) bis zu 1.000.000 (48 Millionen) - wobei selbst der Best Case nur rund vier Prozent Marktanteil unterstellte. ZirkelTech unterstützte die Finanzmodellierung und erstellte die Investorenunterlagen für die beiden Finanzierungsvehikel des Ventures (750.000 Euro auf CFT-Ebene, 4–5 Millionen Euro für die LikeIT AG).

Launch und Ergebnis

Zum Launch hatte das Engagement den kompletten Venture-Stack geliefert: native iOS- und Android-Apps, Cloud-Plattform und APIs, die QR-Quittungs-Engine, das Integrationskonzept für den Handel, Consumer-Marke und Designsystem sowie die kommerzielle und Investoren-Dokumentation. LikeIT ging wie geplant in Deutschland live - im vereinbarten Umfang und Zeitrahmen.

Epilog: Wenn der Markt entscheidet

Dann entschied der Markt. Das Launch-Fenster kollidierte mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie. Der stationäre Handel - die Bühne, auf der das gesamte LikeIT-Erlebnis spielt - blieb über Monate geschlossen, und das soziale Ritual im Kern des Produkts, gemeinsames Shoppen von Jugendlichen in der Innenstadt, war auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Für eine zweiseitige Plattform, die gleichzeitig frühe Traktion bei Familien und im physischen Handel brauchte, war dieses Timing nicht aufzuholen. Die Gesellschafter trafen die rationale Entscheidung und stellten das Venture ein.

Wir veröffentlichen diese Fallstudie trotzdem - aus zwei Gründen. Erstens, weil die Delivery der Punkt ist: Das Venture scheiterte am Markt-Timing, nicht an der Umsetzung - das Produkt wurde in vollem Umfang und termingerecht ausgeliefert. Zweitens, weil sich die Lehren verzinsen. Zweiseitige Consumer-Plattformen leben von der Geschwindigkeit früher Dichte; jeder Plan sollte den Kaltstart explizit modellieren. Architekturen, die regulierte Flüsse meiden, schaffen dauerhafte Optionalität - das quittungsbasierte Design von LikeIT halten wir bis heute für das richtige Muster für Family Commerce. Produkte, die Minderjährige nutzen, müssen Einwilligung und Datenschutz als Produktfeatures behandeln, nicht als juristische Fußnoten. Und Venture-Timing ist eine eigene Risikoklasse: Kein Engineering der Welt kompensiert eine geschlossene Innenstadt.

Was das für Ihr Produktvorhaben bedeutet

LikeIT verdichtet auf ein einziges Engagement, was ZirkelTech als Product-Engineering-Partner leistet: Venture Design und Validierung, Experience Design auf Consumer-Niveau, natives Mobile- und Cloud-Engineering, regulatorisch mitgedachte Architektur und die kommerziellen Unterlagen, die ein Venture finanzierbar machen - verantwortet von einem Team über Frankfurt und Delhi hinweg. Wer heute ein digitales Produkt baut - im Konzern, als Venture Builder oder als Gründerin oder Gründer -, findet hier dasselbe Modell: einen Partner von der Idee bis zum Launch, mit der Engineering-Tiefe zum Skalieren und der Offenheit, auszusprechen, was der Markt sagt.

Tags
H
Autor
Herr Ritesh Nahar

Leiter der Technologieabteilung

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